Veröffentlicht 29 Juli 2025

Die große Tequila-Kontroverse: Sind Casamigos und Don Julio wirklich „100 % Agave“?

In der Welt des Premium-Tequilas ist Authentizität alles.

Die große Tequila-Kontroverse: Sind Casamigos und Don Julio wirklich „100 % Agave“?

In der Welt des Premium-Tequilas ist Authentizität alles. Doch kürzlich eingereichte Klagen haben zwei der bekanntesten Marken der Branche erschüttert – Casamigos und Don Julio. Der Vorwurf: Der Inhalt der Flasche entspricht möglicherweise nicht dem, was auf dem Etikett steht.

Im Mai 2025 wurden in den USA mehrere Sammelklagen gegen Diageo, den globalen Getränkekonzern hinter beiden Marken, eingereicht. Der Vorwurf lautet irreführende Werbung und Täuschung der Verbraucher. Im Zentrum der Kontroverse steht die Bezeichnung „100 % Agave“ – ein Versprechen, dem Tequila-Liebhaber vertrauen. Es bedeutet: kein zugesetzter Zucker, kein billiger Industriealkohol – nur reiner Spiritus aus der Blauen Weber-Agave. Doch laut den Klagen ist das möglicherweise nicht der Fall.

Den Beschwerden zufolge zeigen unabhängige Labortests, dass Casamigos Blanco und Don Julio Blanco womöglich weniger als 50 % Agavenalkohol enthalten – der Rest stamme angeblich aus Zuckerrohr oder anderen nicht-agavenbasierten Quellen. Damit wären sie sogenannte mixtos und dürften nicht als „100 % Agave“ vermarktet werden – ein schwerer Vertrauensbruch gegenüber den Konsumenten. Die Kläger fordern über 5 Millionen US-Dollar Schadensersatz und verlangen, dass Diageo die irreführende Vermarktung stoppt.

Diageo schlägt zurück

Diageo, das Casamigos 2017 für fast eine Milliarde Dollar übernahm, weist die Vorwürfe entschieden zurück. Das Unternehmen bezeichnet sie als „ungeheuerlich“, „haltlos“ und „völlig falsch“. In Presseerklärungen betont Diageo, dass alle ihre Tequilas zu 100 % aus Blauer Weber-Agave hergestellt werden – vollständig konform mit den mexikanischen Vorschriften (über den Tequila-Regulierungsrat CRT) und den US-amerikanischen Kennzeichnungsgesetzen. Man werde die Marken vor Gericht energisch verteidigen.

Wer sagt die Wahrheit?

Das hängt davon ab, wie man „Wahrheit“ definiert. Die Klagen berufen sich auf sogenannte Isotopenverhältnistests – eine Methode, mit der festgestellt werden kann, ob der Alkohol aus Agave oder anderen Quellen wie Zuckerrohr stammt. Die Kläger behaupten, die Ergebnisse würden einen erheblichen Anteil an Zuckerrohralkohol belegen. Diageo hingegen stellt die Zuverlässigkeit und Interpretation dieser Tests infrage.

Ein größeres Problem: Transparenz beim Tequila

Die Klagen beschränken sich nicht nur auf Casamigos und Don Julio. Sie deuten auf ein größeres, systemisches Problem hin – und werfen nicht nur Diageo, sondern auch dem CRT vor, echte Standards nicht durchzusetzen und eine langjährige Kultur irreführender Etikettierung zu dulden.

Tatsächlich hat der CRT die Bezeichnung „additive-free“ (zusatzfrei) auf Flaschen verboten, da sie laut mexikanischem Recht nicht offiziell anerkannt ist. Dieser Schritt stieß auf heftige Kritik von Transparenzbefürwortern – insbesondere vom Team hinter dem Additive-Free-Programm von Tequila Matchmaker, das Marken unabhängig verifiziert, die keine Aroma- oder Farbstoffzusätze verwenden.

Anfang des Jahres verklagte der CRT sogar die Betreiber von Tequila Matchmaker in den USA wegen angeblicher Markenrechtsverletzungen – nachdem deren Labor in Mexiko bereits durchsucht worden war. Viele sehen darin den Versuch, eine Gruppe zum Schweigen zu bringen, die sich für mehr Ehrlichkeit in der Branche einsetzt.

Was steht auf dem Spiel

Für Tequila-Fans geht es hier nicht nur um einen Rechtsstreit – es geht um Vertrauen. Verbraucher zahlen hohe Preise für Casamigos, Don Julio und andere Premium-Tequilas, in dem Glauben, etwas Reines, Handwerkliches und Traditionelles zu trinken. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte das einen gewaltigen Umbruch in der Vermarktung und Regulierung von Tequila bedeuten.

Vorerst liegt die Entscheidung bei den Gerichten: Hat Diageo Millionen Verbraucher in die Irre geführt? Egal, wie der Prozess ausgeht – die Kontroverse hat bereits eine größere Debatte ausgelöst: Was bedeutet „100 % Agave“ wirklich? Und wer darf das entscheiden? Eines ist sicher: Diese Auseinandersetzung ist noch lange nicht vorbei. Und die Zukunft des Premium-Tequilas könnte maßgeblich von ihrem Ausgang abhängen.

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